
Wie ist das Gefühl? Sie begleiten Ihre Liebsten – wie jedes Jahr – mit dem Auto zum Flughafen, helfen noch das gesamte Gepäck zum Schalter zu bringen, verabschieden sich dann – wie jedes Jahr – noch allzu herzlich, Umarmungen, Küsschen, und die Kleine fragt: „Mama, warum bleibt der Papa wieder daheim?“ Eine halbe Stunde später stehen Sie im Flughafenrestaurant, wo Sie der in den Urlaub abfliegenden Familie – wie jedes Jahr – verstohlen nachwinken. – Spezielle Flugangstseminare versprechen Abhilfe.

Verschiedene Ursachen
Die Angst vor dem Fliegen ist heute weit verbreitet. Dabei ist diese Art des Reisens die weithin sicherste. Flugangst verleidet einem großen Teil der Bevölkerung den Flug in ferne Länder, erschwert berufliche Karrieren oder macht Flitterwochen zunichte. Doch Flugangst ist nicht gleich Flugangst. Ähneln sich zwar die Symptome, so muss man doch grundsätzlich unterscheiden zwischen Phobien, die schon vorhanden sind wie klaustrophobische Zustände, Angst vor der Höhe oder dem Ausgeliefertsein, oder Ängste, die sich aufgrund von traumatisierenden Erlebnissen wie grobe Turbulenzen oder eine Notlandung während eines vorangegangenen Fluges manifestieren. Die Symptome reichen von starkem Schwitzen, Zittern, Übelkeit, Herzrasen, Atembeschwerden und Muskelverspannungen über das Gefühl, einen Herzinfarkt zu bekommen, bis zu einer Panikattacke. Dass man in solchen Zuständen keine Lust mehr hat, ein Flugzeug überhaupt nur von der Nähe zu betrachten, ist einleuchtend. Da den Fluggesellschaften dadurch jährlich ein Millionengeschäft entgeht, reagieren diese mit der Veranstaltung von Seminaren, wobei die Teilnehmer lernen, mit der Angst richtig umzugehen und sie im Ernstfall auch zu kontrollieren.


Flugangstseminare
Wer also die kommenden Ferien doch lieber mit seiner Familie wegfliegen möchte als zu Hause zu bleiben und sein Verhalten der gesamten Kollegenschaft im Büro erklären zu müssen, ist eingeladen, sich bei einem Flugangstseminar z. B. der Austrian Airlines anzumelden. Die wichtigste Erfahrung ist laut den Verantwortlichen schon das Gefühl, mit der Angst nicht allein dazustehen – die Arbeit in der Gruppe erleichtert den Umgang mit dem Problem erheblich. Die Kurse werden von Piloten, Psychologen, Flugbegleitungspersonal und erfahrenen Trainern abgehalten, sie dauern drei Tage und gliedern sich in drei Abschnitten. Im psychologischen Abschnitt werden die Ursachen und Formen der Angst ermittelt. In Kleingruppen erlernt man Atemtechniken und Entspannungsübungen, um im Notfall entsprechend reagieren zu können. Der Informationsteil beschäftigt sich mit der Technik des Fliegens und der Flugzeuge selbst: die Funktionsweisen eines Flugzeugs werden genau beleuchtet, wovon ein unbedarfter Tourist ja wenig bis gar keine Ahnung hat. Am dritten und letzten Tag geht das Seminar in den praktischen Teil über – und endet mit einem Kurzflug.


Was ist (nicht) zu tun
Wenn Flugangst auftritt, empfehlen Experten, diese nicht mit Medikamenten zu behandeln. Wenn der „Patient“ das Gefühl hat, von diesen abhängig zu sein, fühlt er sich ausgeliefert. – Ein Kreislauf beginnt. Atem- und Entspannungsübungen helfen im Ernstfall über die größte Hürde hinweg. Natürliche Beruhigungsmittel wie Baldrian oder Johanniskraut (schon mehrere Wochen vorher mit der Einnahme beginnen) können das Gröbste verhindern. Bei ausgeprägten Phobien sollte man eine Therapie in Anspruch nehmen. Damit Sie selbst im Flieger sitzen und vom Fenster aus winken können – Ihrem Therapeuten zum Abschied.